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Crossen/Oder
Die Stadt Crossen (seit 1945 Krosno) am Zusammenfluß von Oder und Bober kann
auf eine lange wechselvolle Geschichte zurückblicken. Erste Erwähnung fand der
Ort „Crosno" im Jahre 1005. Es war wohl ein Fischerdorf. Die deutsche Kultur fand
bei den schlesischen Piasten hohe Wertschätzung. So holten sie deutsche Kolonisten
ins Land, was zur wirtschaftlichen Stärkung und gleichzeitig zur Christianisierung beitrug. Zweihundert Jahre später wurde Crossen durch diese friedliche Besiedlung zu einem blühenden Städtchen.
Die Herrschaft der Piasten endete als im Frieden von Kamenz 1482 dem Kurfürsten
Albrecht von Hohenzollern das Herzogtum Crossen zugesprochen wurde. Danach verblieb
die Stadt und das Land ununterbrochen bis zum Ende des 2. Weltkriegs im
brandenburgisch - preußischem Staat.
Bedeutende Verbindungsstraßen führten durch die Stadt. Dies war von großem Vorteil, hatte jedoch Im dreißigjährigen Krieg verheerende Folgen, denn viele Heere zogen über die Oderbrücke.
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Die Stadt wurde von den Schweden besetzt und mehrmals belagert. 1631 wurde Crossen ausgeplündert,
es brannten 432 Häuser nieder, auch das Schloß und die Evangelische Marienkirche.Nach dem
raschen Wiederaufbau gab es 1708 erneut einen großen Stadtbrand, den ein Sturm nachts immer wieder
auffachte, so daß kaum ein Haus übrigblieb. Danach wurde die Stadt nach großzügigen Gesichtspunkten
wieder aufgebaut. Ein besonderes Schmuckstück wurde der Marktplatz mit dem harmonisch eingefügten
Brunnen in der Mitte und dem seitlichen Rathaus.
Schon 1538 erhielt Crossen sein Trinkwasser mittels einer Leitung aus den 1/8 Meile entfernten Rusdorfer
Bergen. Diese hölzerne Röhrenleitung wurde 1767 ebenfalls wieder instandgesetzt, diente der Speisung des
Marktplatz-Brunnens und wurde in hölzerne Behältnisse der einzelnen Straßen geleitet.
Durch einen Orkan, der auch mehrere Menschenleben forderte, wurde die Stadt am 14.5.1886 schwer verwüstet.
Der obere Teil des Turms der Evangelischen St. Marienkirche kippte dabei in ein Wohnhaus.
Crossen war Immediatstadt und hatte 1800 bereits 3317 Einwohner, sowie eine Garnison mit 874 Soldaten.
1885 : 6785 Einwohner, 1925 : 7364 Einwohner und 1933 waren es 7625 Einwohner. Crossen war Kreisstadt,
seit 1816 Landratsamt. Im 19. Jahrhundert blühte in der Stadt die Tuchfabrikation und der Weinbau, daneben wurde Fischerei und Schiffart betrieben. Erst 1870 wurde Crossen mit der Strecke nach Guben an das Eisenbahnnetz angeschlossen.
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Crossen vor dem Brande von 1708.

  1. Schloß
  2. Steintor
  3. St.Marienkirche
  4. Rathaus
  5. Glogauer Tor
  6. Dammtor
Der späte Anschluß an das Bahnnetz, zumal an eine Nebenstrecke, hatte negative Folgen für die Entwicklung
der Stadt. Mit der Industriealisierung begann auch das Ende der Tuchmacher - Handwerksbetriebe. Es
kamen dann einige Metallbetriebe hinzu, wie die Seelersche Fabrik, jedoch blieb Crossen bis ins
  1. Jahrhundert eine Handwerker-und Beamtenstadt.
Der Weinanbau in Crossen begann bereits um 1150. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es etwa 150 Weinbergsbesitzer vor allem an der "Bergseite". Zur Förderung des Obst-und Weinanbaus wurde 1891die
Crossener Wein-und Obstbauschule eröffnet. Schüler aus Brandenburg erhielten hier kostenlose
theoretische und praktische Unterweisungen.
Es wurden bis 1944 vor allem weißer und roter Schönedel, Sylvaner, Riesling und Traminer angebaut.
Der Wein wurde in zahlreichen Weinlokalen der Stadt ausgeschenkt. Zuletzt hatte der Weinanbau keine
gewerbliche Bedeutung mehr, er war nur noch eine Liebhaberei einzelner Enthusiasten.
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